Schenkwirtschaft, der Wandel den wir dringend brauchen?



Oder ein großes Missverständnis? Was muss vorher passieren?

Hervorgehend aus einer Facebookgruppe, in der ich darauf hingewiesen wurde, das in dieser Gruppe kein Geld fließen soll, machte ich mit heute morgen Gedanken, warum sich das für mich so schräg anfühlt. Ich bot in der Gruppe einen Austauschabend an und bat um eine Spende zwischen fünf bis zehn Euro für den Raum, die Wärme und die Vor- und Nachbereitung.

Diese Gedanken teile ich gerne mit Dir.

Ich stellte fest, dass es weniger um Geld an sich geht als um verschiedene andere „Werte“.
Das erste was mir auffiel war, es geht mir eigentlich um Wertschätzung meiner Arbeit, die ich einbringe…meine Arbeit, die ich gelernt habe in 20 Jahren Ausbildung, dieser Weg hat mich sowohl viel Geld gekostet, in Form von Ausbildungen und Seminaren und er hat mich extrem viel Energie gekostet in der Form, dass ich mich selber betrachtet habe und zwar von allen Seiten, sowohl innen wie auch außen…im letzten Winkel meines Seins und das war oft mit viel Tränen, Erkennen, Erschrecken, Loslassen und an mir arbeiten verbunden.
Ohne all diese Energie wäre ich nicht die, die ich heute bin, könnte ich nicht das tun, was ich als meine Berufung empfinde.

Also gut…ich gehe mal auf die Wertschätzung näher ein, hm, Wertschätzung wird erwiesen oder geschenkt in Form von (Dankes-)Worten, Geld, Dingen, Wissen.

Was machen Worte mit mir und meiner Arbeit?
Worte, wenn es Worte des Lobes, des Dankes und der Zufriedenheit und Anerkennung sind beflügeln mich und meine Arbeit. Es fühlt sich gut an, so gewertschätzt zu werden, so erkannt und gesehen zu werden. Meine Arbeit wird fließen und ich werde Freude und Dankbarkeit empfinden, dass ich diese Arbeit tun darf.

Was macht Geld mit mir und meiner Arbeit?
Geld ermöglicht mir, die Dinge, die ich zum Leben brauche oder mir wünsche, zu kaufen…und dabei verhandle ich nicht, weil ich denjenigen, der sie erschaffen hat,
wert-schätze.
Geld ermöglicht mir also, ein Teil dieser Gesellschaft zu sein und frei wählen zu können was ich mir dafür kaufe…Wohnung, Wärme, Essen, Urlaub (was auch immer, ich meine zu brauchen)
Der Mensch, der den Energieausgleich in Form von Geld erbringt, hat dafür gearbeitet, tauscht mit mir also, über dieses „imaginäre“ Tauschmittel, seine Zeit, seine Arbeit, sein Wissen gegen meine Arbeit. Das ist leider sehr unpersönlich und oft nicht zu be-greifen.
Auch weil es ja heute oft so ist, dass Deine Stunde einen anderen Wert hat als meine!
Daher kann sich mancher Mensch vielleicht meine Arbeit nicht leisten, weil er für seine Arbeit nicht die gleiche Wertschätzung erhält wie ich…oder es ist auch oft andersrum.
Du weißt denke ich was ich meine.

Was machen Dinge mit mir und meiner Arbeit?
Dinge sind entweder schön, praktisch, notwendig oder alles zusammen oder nichts davon…einfach überflüssig. Das zu be-urteilen, liegt sicher immer an dem Menschen, der sich mit dem Ding beschäftigt. Wenn Dinge alles sind, dann sind sie ein wahres Geschenk!
Also, ein Ding, was mir zum Tausch für meine Arbeit angeboten wird kann ich entweder gebrauchen, lieben, haben wollen, benötigen oder nicht, damit spiegelt es indirekt ja auch den Wert meiner Arbeit wieder. Nun kann ich entscheiden, ob ich auf den Tausch eingehe oder nicht. Dabei darf ich dem Menschen erklären, warum ich es so empfinde und möglicherweise, bin ich sehr zufrieden oder habe das Gefühl nicht gesehen zu werden, der andere aber auch, weil das Ding für ihn einen hohen Wert hat, den ich nicht nachempfinden kann.
Um diese Komplikationen im Tauschgeschäft rauszunehmen, wurde irgendwann über einen dritten Wert getauscht, Muscheln, Glasperlen, Gold, Geld…
Du siehst, das mit dem Tausch funktioniert nur, wenn sich die beiden einigen. Das kann Energie kosten. Dazu müssen beide bereit sein. Es erfordert Verständnis, Empathie, die Fähigkeit zu sich selbst u stehen und sich seiner „Bedürfnisse“ bewusst zu sein und diese auch äußern zu können.

Was macht Wissen mit mir und meiner Arbeit?
Erstmal muss ich hier erwähnen was für mich Wissen bedeutet…also, Wissen ist für mich alles, was keine Materialkosten braucht, um es weiterzugeben…also Seminare, Coaching, Heilarbeit, Ideen, etc
Dieses Wissen zu bekommen, kann, in dem Moment wo ich es gebrauchen kann einen großen Wert für mich haben. Wenn mir jemand jetzt anbieten würde, mir filzen bei zu bringen, würde ich das sehr gerne annehmen.
Oder ein Seminar, das mich weiter bringt auf meinem Weg.
Wissen kann also mein Wissen potenzieren, weil es gut ineinandergreift und mir ganz neue Möglichkeiten eröffnet.

Was machen Geschenke generell mit Menschen?
Und wann ist ein Geschenk ein Geschenk?

Meiner Meinung und meiner Beobachtung nach machen Geschenke oder auch ungefragte Hilfe, die oft vom Gebenden als Geschenk empfunden wird, unterschiedliche Dinge mit Menschen.
Dazu kommt es darauf an, ob das Geschenk im wahrsten Sinne des Wortes ein Geschenk ist, also ist es uneigennützig ohne den Gedanken an eine damit verbunden Leistung, Gabe oder  auch Erwartung gegeben?
Wenn es das ist, und der Beschenkte kann dieses Geschenk auch noch wirklich gebrauchen, dann ist es ein wahres Geschenk und bringt Freude und Glück.
Wenn an ein Geschenk offene oder verborgene Bedingungen geknüpft sind , ist es kein Geschenk, sondern wieder eine Art Geschäft oder Tausch.
Mit Geschenken wird oft einiges verbunden, die Erwartung geliebt zu werden, als guter Mensch gesehen zu werden, es tut etwas mit dem Ego des Schenkenden, er fühlt sich „edel“.
Geschenke sind oft mit der Erwartung einer Gegenleistung verbunden und wenn es nur die ist, auch etwas geschenkt zu bekommen…schade, denn dann ist es wieder ein Tausch(geschäft) und würde besser offen kommuniziert, damit keine Unstimmigkeiten entstehen.

Was macht das Geschenk mit dem Beschenkten?
Im besten Falle löst es Freude aus. Dazu gehört, dass der Annehmende wirklich annehmen kann, weil er es sich wert ist.
Ansonsten führt es in eine Spirale von ich muss es mir verdienen, dann macht jedes Geschenk Stress, denn Du hast das Gefühl, Du müsstest etwas leisten, eine Gegenleistung erbringen…Liebe, Anerkennung, Wertschätzung, Dank, auch etwas verschenken.
Das ist ein Teufelskreis, aus dem es nur schwierig ist heraus zu kommen.



Wann hast Du das letzte Mal einfach nur so etwas oder Dich verschenkt? Ohne irgendeinen (Hinter) Gedanken.
Wann konntest Du ein Geschenk wirklich annehmen, ohne einen Druck zu einer Gegenleistung zu verspüren?

So, nun zurück zur Schenkwirtschaft
Hörtst Du das, wenn Du das Wort aussprichst?

Schenk- Wirtschaft

Findest Du, dass das zusammenpasst?

Kann etwas geschenktes tatsächlich wirtschaftlich sein?
Heißt wirtschaftlich nicht auf Gewinn abzielend?
Ist die Gewinnerzielungsabsicht nicht der höchste Grundsatz der Wirtschaft?

Also, was hakt hier?

Lassen wir es doch vielleicht besser Schenkkultur nennen!

Wir brauchen alle gewisse Dinge zum Leben, darin sind wir alle gleich:
Wir brauchen alle eine Behausung, wie auch immer die sich gestaltet, Wärme, Feuer, zum Heizen und Kochen, Nahrung im Sinne von echten Lebensmitteln.
Dann brauchen wir noch immaterielles…Liebe, Anerkennung, Berührung, Austausch, Kultur, Wissen…

So, nun bin ich der Meinung, dass wir diese Immaterielle alle und immer verschenken können. Davon hat jeder genug und es vermehrt sich auf wunder-volle Weise, wenn wir es verschenken.
Derjenige, der genug oder viel Wohnung, Wärme, Nahrung etc hat kann davon sicher soviel verschenken, bis das was übrig bleibt noch seine Grundbedürfnisse deckt.
Doch wo kommt das letztendlich her? Irgendwer hat dafür gearbeitet, für das Haus, das Material wurde erschaffen, gesät, geerntet…

Wie schaffen wir es nun, an dieser Stelle Schenkkultur zu leben, denn der Bauer, der Handwerker und auch Du brauchst wieder diese Materie zum Leben.

Also, eine Möglichkeit wäre:
Wir gehen davon aus, dass unsere Mutter, die Erde genug von allem für Jeden von uns hat.
Wenn keiner von uns sich als gleicher ansieht und sich über die Mitmenschen aufschwingt
Richtig?
Gut!
Dann spinne ich nun weiter…
Ich weiß mit Stoffen, Kräuter und Pflanzen umzugehen, bin Heilerin und kann Wissen vermitteln. Das alles verschenke ich in dem Moment, indem, die Gesellschaft in der ich lebe, also Du und Du auch, Deine Fähigkeiten genauso verschenkst…so haben wir alles, was die Gemeinschaft braucht.
So, da gibt es ein Stück Land, fruchtbare Wiesen ein Teil Wald, ein fließendes Gewässer oder die Möglichkeit eines Brunnens.


Ich beginne einen Permakulturgarten anzulegen, während Du vielleicht Behausungen baust (aus dem, was die Natur uns bietet), und Du, ja Dich meine ich, Du kümmerst Dich um das Baumaterial was gebraucht wird. Es werden sich immer Menschen finden, die Wissen haben, die Ideen haben. Jeder ist wertvoll für die Gemeinschaft und zwar völlig gleichwertig.

Wenn wir das verstanden haben, dass auch der, der vielleicht nicht soviel arbeitet, aber dafür singt und für gute Stimmung sorgt, oder die alten Menschen mit ihrem Wissen und ihrer Lebenserfahrung, die wir im Moment einfach nur ausschließen, weil sie nicht mehr produktiv im Sinne der Wirtschaft sind….
Jeder, absolut jeder, der auf diese Erde kommt hat eine Aufgabe, hat (s)einen Wert und ist unersetzbar.
Das darf verstanden und gelebt werden!

So, und was ist nun mit der Schenkkultur?
ich glaube, dass das erst funktionieren kann, wenn wir uns alle als gleichwertig anerkennen können. Jeder sich selbst und jeden seiner Mitmenschen.

Als nächste dürfen wir erkennen welche und wie viel Materie etc wirklich notwendig ist für ein gutes, freies, glückliches Leben…und dann dürfen wir alles andere loslassen.
Tja, Mist, das große Haus? Das dicke Auto? All die Bücher? Das „gute“ Geschirr?
Nun ja, das darf und sollte jeder selbst entscheiden.

Dann brauchen wir auch dieses Wort nicht mehr, denn dann ist es völlig klar, dass jeder sich in dem Masse einbringt, wie er es kann und wie es seine Fähigkeiten erlauben.

Was es dazu noch alles braucht?
Schau raus in die Welt und geh voran.

AHO

Herzensgrüße
Sandra


PS.: Und bis dahin, braucht es ein bedingungsloses Grundeinkommen, damit wir unsere Gesellschaft mit völlig neuen Ideen neu aufbauen können.

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