Die Familie heilen



Warum haben wir soviel Traurigkeit, Einsamkeit und Unfrieden auf dieser Welt?

Mir begegnen in letzter Zeit vermehrt Themen mit unserer Familie.

Mein Bruder zu dem ich lange keinen wirklichen Kontakt hatte ist nun wieder in meinem Leben und ich hatte nie verstanden, was denn nun wirklich vorgefallen war…was brauchten wir wirklich? Wo hatten wir das Gefühl, etwas nicht bekommen zu haben?

Meine Kinder, die ich nach der Trennung von ihrem Vater lange nicht so bei mir haben konnte, wie ich es mir gewünscht habe, die durch die unterschiedlichsten Einflüsse von mir entfernt waren. Wo ich immer und immer wieder da war und dann doch wieder sehr verletzt wurde.
Was brauchten sie von mir wirklich? War es denn wirklich der Unterhalt, den ich weder zahlen konnte noch musste? War es das Interesse an ihrem Leben, was ich hatte, aber nicht zeigen konnte, weil es keinen Kontakt gab? Was brauchten sie von mir? Und was hätte ich gebraucht?

Meine Eltern, und dort besonders in meinem Fokus, meine Mutter, weil sie immer die präsente war und ist. Mit ihr gab und gibt es immer wieder Konflikte, die sich um unausgesprochene Erwartungen, Wünsche und Sehnsüchte drehen…auf beiden Seiten.
Was wünscht sich meine Mutter wirklich von mir? Was brauche ich noch, was ich als Kind nicht bekommen habe? Oder was ich nicht so verstanden habe?
Mein Vater, der zwar körperlich anwesend ist und nach meinem Gefühl immer hinter meiner Mutter stand und steht, der, wenn ich anrufe gleich den Hörer weiter gibt und davon ausgeht, dass ich mit meiner Mutter sprechen möchte. Woher kommt diese Idee von ihm, dass ich mich nicht auch ihm mitteilen möchte? Wieso meint er, er wäre nicht wichtig für mich?
Er ist mein Vater, die erste männliche Bezugsperson in meinem Leben. Ich bin seine Tochter, die Erstgeborene. Und ich weiß um den sehnlichen Wunsch meiner beider Eltern uns beide, meinen jüngeren Bruder und auch mich auf diese Welt zu holen. Wir beide sind echte Wunschkinder…es gab viel Schmerz und Trauer, bis wir diese Welt betreten durften.
Was braucht mein Vater von mir? Wonach sehnt er sich wirklich? Was brauche ich von ihm?

Diese unterschwelligen Erwartungen, die hier bei mir immer wieder ankommen, die mich aggressiv machen, weil ich ihnen so hilflos gegenüber stehe, die ich versuche zu verstehen und fühle, dass es um etwas ganz anderes geht als um die Hilfe beim Hecke schneiden oder dem Transport wohin auch immer…aber weder meine Mutter, mein Vater, noch meine Kinder oder mein Bruder schaffen es mir zu sagen, was sie wirklich von mir brauchen. Warum schaffen sie das nicht? Sind sie sich selber nicht im Klaren darüber? Haben sie Angst dahin zu schauen? Haben sie Angst vor der Auseinandersetzung mit ihrem Thema oder gar mit mir, wenn sie mir ihre Wünsche offenbaren?
Ja, ich könnte verletzt sein, es könnte Tränen geben, die Wahrheit könnte für mich oder auch für sie hart sein und uns erstmal wegfegen und vielleicht auch wütend machen. Ja, wenn ich mein Gegenüber wirklich in seiner Gänze erfassen möchte, wenn ich diesen Menschen wertschätzen und respektieren möchte, dann darf ich mich, nein, dann muss ich mich mit diesem „hinter der Maske“ beschäftigen…mit all der Schönheit und auch mit all dem Schrecken und Schmerz, der dort seit Anbeginn der Zeit verborgen wird.
Immer wieder bitte ich meine Eltern mir zu erzählen, von ihrem Leben, ihren Träumen, ihren Wünschen…ihren Erlebnissen, von ihren Eltern und deren Eltern…ich möchte sie fühlen können, ich möchte in ihnen meine Wurzeln finden können. Ich möchte endlich diese Diskrepanz zwischen dem was ich fühle und dem was mir gezeigt wird überbrücken, ich möchte Einheit erfahren, Authentizität, das Echte…ich möchte bitte die Wahrheit zugemutet bekommen…von meinen Eltern.
denn ich glaube, dass das unsere Pflicht ist als Kinder. Es ist nicht der Dank für irgendetwas was unsere Eltern für uns getan haben, für Entscheidungen, die sie für ihr Leben getroffen haben …für, aus ihrer Sicht unser Bestes. Der Dank, den ich „schulde“ ist der Dank für das Leben, welches mir geschenkt wurde.
Es ist unsere Aufgabe unsere Wurzeln zu erkennen und das Leid, die Trauer und den Schmerz in unseren Eltern zu sehen und diesen zu heilen, indem wir einfach nur da sind und ihn nehmen…in Liebe und mit dem Verständnis, welches wir als Erwachsene dafür aufbringen können. Es ist unsere Pflicht genau hier Heilung zu bringen, unsere Eltern in den Arm zu nehmen, diese Verletzungen aufzulösen, einen Schnitt zu machen, damit dieser Schmerz nicht an unsere Kinder weitergegeben wird und damit an unsere Enkel und so weiter…so durchbrechen wir diesen Schmerz und diese Verletzung aus unserer Ahnenreihe und bringen Heilung in unsere Welt…im Kleinen und dann auch im Großen.
Dann können wir endlich neu beginnen, ohne den Ballast, eine wirklich neue Welt erschaffen.
Eine Welt in der jedes Wesen respektiert und akzeptiert wird.
Eine Welt, in der die Gemeinschaft trägt und verbindet und nicht trennt.
Eine Welt in der wir wieder unserer Einheit bewusst sind.

Wie viel schleppen wir seit Generationen mit uns herum?
Die Gewalt gegenüber Frauen.
Auch die unterschwellige Gewalt gegenüber Männern.
Die Schuld, die wir auf uns geladen haben, durch wegsehen.
Die Verletzungen, die wir zugefügt haben aus unserer eigenen Verletztheit.
Die Ängste die wir zu tragen haben aus den ganzen Kriegsgenerationen.
Die Machtkämpfe zwischen Frauen und Männern.
Wo kommt das her?
Kommt es nicht alles aus dem Unausgesprochenen?
Aus Wünschen und Träumen, die nicht verwirklicht werden konnten?
Aus dem Wunsch endlich gesehen zu werden…Unser Konsum ist doch nichts anderes als ein „sieh mich“ denn ich habe das dicke Auto, das große Haus, den super Job, die schöne Frau, die gute Figur…diese Liste ist unendlich fortzuführen.

Lasst uns doch bitte endlich wirklich miteinander in Kontakt treten…als Menschen, mit all unseren Träumen, Wünschen, Verletzungen und auch dem Schmerz und der Trauer.

Lasst uns doch bitte endlich erfahren, das wir alle verbunden sind, dass es meine und deine Geschichte mit kleinen Nuancen auch bei dir und bei dir und bei dir gibt.
Wir möchten alle nur das Eine…Liebe!
Und dabei sind wir doch alle nur das eine…Liebe!

AHO


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